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Julikrise, Augusterlebnis ... Und dann? (PM vom 06.10.2014)

Nachdem in den vergangenen Monaten zahlreiche Koryphäen wie Christopher Clark und Herfried Münkler mit ihm den Ausbruch des Ersten Weltkriegs diskutierten, wirft Christian Richter, Berlins wohl renommiertester Moderator zu diesem Thema, zum Abschluss des 100jährigen Gedenkens in der Reihe "Das politische Buch" der Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf mit der Autorin Christa Pöppelmann noch einmal einen speziellen Blick auf Berlin. Einer der Schwerpunkte des Gesprächs wird die Frage sein, wie gerade die Stimmung der Bevölkerung den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte beeinflusste - ein Aspekt, der über die lebhafte Diskussion um die Kriegsschuld bisher meist vernachlässigt wurde.


"Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt"

Freitag, 10.Oktober 2014, Haus der Weiterbildung, Goethestr. 9 - 11, 12207 Berlin-Lichterfelde, Eintritt: 5 Euro.

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1914 - Wie die Berliner den Ersten Weltkrieg erlebten (PM vom 08.10.1014)

„Dieser Monat ist spannender als jeder Thriller", sagt die Journalistin Christa Pöppelmann über den Juli des Jahres 1914. Die 47-jährige lebt seit 1999 in Berlin-Lichterfelde. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs - eigentlich ein "typisches Männer- und Professorenthema" - fasziniert sie, seit sie für ihre Diplomarbeit die Berichterstattung der deutschen Presse in der "Julikrise" analysierte. "Die Lektüre der Zeitungen", erzählt sie, "ließ die Vorkriegszeit damals unglaublich lebendig werden. Durch die alltägliche Berichterstattung, die Kommentare, Essays, Reportagen, Anzeigen, Fortsetzungsromane usw., prasselt die damalige Gedankenwelt ungefiltert auf einen ein." Ihr Fazit: Die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich war viel moderner als wir uns das heute vorstellen. Umso schwieriger aber sei es, zu verstehen, warum am Ende doch Militarismus und reaktionäres Denken den Sieg davon trugen und es zu einem Krieg kommen konnte, der nicht nur zehn Millionen Menschen das Leben kostete, sondern auch all diesen hoffnungsvollen Entwicklungen ein Ende bereitete.

 

Seitdem hat die gelernte Journalistin viele Sachbücher für Erwachsene und Kinder geschrieben. Ihr Bestseller "1000 Irrtümer der Allgemeinbildung" etwa erscheint mittlerweile in der 19. Auflage. "Aber den Kriegsausbruch 1914 in all seinen faszinierenden Facetten darzustellen und trotzdem ein spannendes, gut verständliches Buch zu schreiben, ist eine besondere Herausforderung", konstatiert sie. "Denn kaum ein historischer Konflikt ist so vielschichtig und dabei so gut dokumentiert. Aber gerade die Fülle an Material kann einen auch leicht erschlagen." Sie hat das Experiment trotzdem gewagt, musste aber feststellen, dass die Verlage alle lange im Vorfeld renommierte Professoren als Autoren engagiert hatten. Um es in der Schublade verstauben zu lassen, war ihr das Manuskript aber zu schade. Also hat sie zusammen mit ihrem Mann einen Verlag gegründet und "Juli 1914 - Ein Lesebuch" selber herausgebracht. "Es war noch einmal unglaublich viel Arbeit", erzählt sie, "denn wir wollten natürlich ein professionelles Werk herausbringen. Als dann aber all die Professoren-Bücher die öffentliche Aufmerksamkeit belegten, fühlten wir uns manchmal wie ein Segelboot unter lauter Supertankern." Trotzdem hat es ihr Buch mittlerweile in zahlreiche Universitätsbibliotheken bis hin zur renommierten Stanford University geschafft und sie selber saß etwa mit den Professoren Herfried Münkler und Gerd Krumeich auf einem Diskussions-Podium der Bundeszentrale für Politische Bildung.

 

"Es ist gut, dass der Erste Weltkrieg nun aus dem Schatten des Zweiten herausgetreten ist", findet sie. "Denn während der Zweite Weltkrieg eindeutig durch die im Grunde unfassbare Unmenschlichkeit des Hitler-Regimes verursacht wurde, sind am Ersten viel alltäglichere Fehler und Schwächen schuld und eindeutige Schuldzuweisungen kaum möglich. Dafür kann man mitverfolgen, in welch erschreckendem Ausmaß Politiker eine Situation verkennen können, welch unglaubliche Diskrepanz oft zwischen den eigenen 'Notwendigkeiten' und dem Verständnis für die Interessen der anderen besteht, und welche verhängnisvolle Rolle kollektive Ängste spielen. Man sieht, wie die Menschen in den letzten Julitagen von den Ereignissen überrollt und von ihrer Regierung getäuscht und belogen wurden. Aber auch, wie diese Lügen nach Kriegsende weiterwirkten und zur Nahrung wurden, die Hitler groß machte. All das macht die Beschäftigung mit dem Kriegsausbruch 1914 so spannend und auf eine ganze andere Art lehrreich als die Auseinandersetzung mit 1939."

 

Am Sonntag, 26. Oktober um 16 Uhr wird Christa Pöppelmann im Heimatmuseum Steglitz in der Drakestraße 64A aus ihrem Buch lesen und dabei besonders darauf eingehen, wie die Berliner den Kriegsausbruch erlebte.

Eintritt frei, Anmeldung erbeten (Tel. 030/8332109).

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